Tag 8
Es ist Zeit! Es ist Zeit für unseren allerersten Ausflug mit den Kindern. Und mit Ausflug meine ich etwas ganz aufregendes. Unser erster kurzer Spaziergang um den Block steht an. Man mag es lächerlich finden, das einen Ausflug zu nennen aber uns stellt es vor eine logistische Meisterleistung. Denn wir lernen gerade qualvoll, dass es Babys gibt, die es nicht mögen einfach so gemütlich irgendwo rum zu liegen, um dann einzuschlafen.
Also müssen die Chaosboys schlafend in den Kinderwagen gelegt werden. Natürlich müssen sie dafür gleichzeitig einschlafen, damit nicht der Eine schon wieder wach ist und der Andere gerade erst eingeschlafen ist. Puh.
„Außerdem“, frage ich Leo nachdenklich, „was ziehen wir ihnen eigentlich an?“
„Keine Ahnung,“ sagt er.
Ich muss lachen. Wir sind einfach immer so ahnungslos. Wie soll das nur weiter gehen.
„Minus drei Grad“, murmelt Leo auf sein Telefon schauend.
Ich schau ihn an. „Ja, das es kalt ist habe ich mir schon gedacht. Aber was ziehen wir ihnen an?“ Ich grinse.
„Vielleicht ein paar Schichten Kleidung, die Mützen und dann den Wollanzug drüber?“, sagt er halbwegs ernst.
„Wir haben ja auch die Felle hier drin liegen,“ ergänze ich und dann noch die Decken, die meine Tante uns gestrickt hat drüber. Und fertig?“, füge ich noch fragend an.
„Dann fehlen jetzt ja nur noch die schlafenden Kinder“, sagt Leo im sarkastischen Ton. Meine Laune schwankt dabei von belustigt und Vorfreude zu Stress.
Ok. Schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich stille sie jetzt und mit viel Glück schlafen sie dabei ein und sind zugleich nicht mehr hungrig, wenn wir unterwegs sind.
Es klappt zumindest nach einer etwas länglichen Stillsession kann ich sehen wie Johnny langsam die Augen zufallen.
„Leo“, sage ich, „es ist soweit.“ Sanft hebt er ihn hoch und legt ihn in den Kinderwagen. „Noch nicht zu decken“, rufe ich ihm rüber.
Er schaut mich genervt an. „Ach ne.“
Nun beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Ich hoffe, das Matz nun auch schnell die Augen schließt. Wir haben Glück. Seine Augen werden schwer. Ich atme erleichtert auf. Leo nimmt Matz und legt ihn in ebenfalls den Kinderwagen und ich schlüpfe schnell in meine Stiefel. Johnny wirkt bereits etwas unruhig. Jetzt schnell raus.
Geschafft. Wir stehen draußen. Beide Kinder schlafen und ich atme die kalte Luft. Ich bin schon mehrere Tage nicht raus gekommen. Jetzt hier draußen zu stehen, während die Sonne untergeht, ist einfach toll. Ich schaue Leo an und obwohl wir gerade mindestens zwei Stunden gebraucht haben, um hier zu stehen, sage ich zu ihm: „Ich bin so glücklich.“ Und in diesem Moment meine ich es auch. Das erste mal seit der Geburt der Chaosboys, dass ich das auch wirklich fühle. Die letzten Tage waren so anstrengend und alles ist so neu. Wir müssen so viel lernen. Doch dieser Moment gibt mir unglaublich viel Kraft.
Leo macht ein Foto und zeigt es mir.
„Hier, meine kleine Zwergenanführerin,“ sagt er „schiebst du das erste mal deine Kinder spazieren.“
Wenn Du die ganze Geschichte der Chaosboys lesen willst, geht es hier zum Anfang: https://gutenachtchaos.de/2019/06/03/zwei/